Die Reise sollte sich auf den Spuren 3er Dichter, Adalbert Stifter, Arno Geiger und Thomas Bernhard machen und zudem die erste kontinentaleuropäische Eisenbahnstrecke. die Pferdeeisenbahn Budweis – Linz und in der Erweiterung Gmunden, erkunden. Kam dann doch ein wenig anders als gedacht. Aber so ist es ja meist auf den Reisen.

Streckenverlauf
Pferdeeisenbahn Budweis - Linz Mit der Idee von Franz Josef von Gerstner, eine Pferdeeisenbahn von Budweis über Linz nach Gmunden zu errichten, um den Salztransport vom Salzkammergut in die böhmischen Ländereien des damaligen Kaiserreichs zu vereinfachen, begann 1807 die Eisenbahngeschichte in Österreich. Nach zahlreichen Verzögerungen beim Bau der Strecke konnte 1827 endlich die erste Eisenbahn am europäischen Kontinent in Betrieb genommen werden. Früh in das Unternehmen war auch Albert Lanna eingebunden. Zunächst übernahm er den Bespannungsdienst der vorerst nur auf der böhmischen Seite, im Jahr darauf bis Leopoldschlag, verlaufenden Trasse, in der Folge auch den Bau von dazugehörigen Straßen, Eisenbahnen und Brücken. 1832 reichte die Strecke bis Linz, und ab 1836 konnte das Salz durchgehend auf der Schiene vom Salzkammergut bis Budweis transportiert werden. Wenig später wurde die Strecke bis Linz ausgebaut. Auf den beim Bau der Pferdeeisenbahn gemachten Erfahrungen aufbauend, war Lanna maßgeblich bei Bau zahlreicher anderer Eisenbahnlinien in Böhmen, Mähren und Schlesien beteiligt. Sein Lieblingsprojekt, war jedoch die
Kaiser-Franz-Joseph-Bahn. Heute entspricht die ursprüngliche Wegstrecke der
Pferdeeisenbahn weitgehend der Fernstrasse E55. Ein Verein versucht einen Teil der ursprünglichen Trasse zu rekonstruieren. An Relikten (Brücken, Bahnhöfen/Stationsplätzen, Wachthäusern und alten Schienenführungen entlang kann man in 20 Tagen von Linz nach Leopoldschlag wandern. Fahrradfahrer möchte man auf diesen Wegen ausdrücklich keine „begrüßen“.
Erhaltene Zeugnisse der Pferdeeisenbahn in
Budweis sind: der Bahnhof in der Prager Vorstadt bei k.k. Kaserne, das Denkmal für Adalbert Lanna am Beginn der gleichnamiger Straße (Park zwischen Kanovnicka und Lannova), der sich am linken Moldauufer erhaltene Viereckhof, der Stapelplatz von Schiene auf Wasser, der Gasthof „zum grünen Ast/Grünast“ (heute Koslovna u Zelene Ratolesti, Husova 5, Budweis ), sowie das Pferdeeisenbahnmuseum im alten Bahnwärterhäuschen ((Muzeum koněspřežky, Mánesova 44/10, 370 01 České Budějovice 1).
Auf heute österreichischer Seite: das Stationsgebäude
Kerschbaum und damit auch das erstes Bahnhofrestaurant Europas. Auch hier gibt es ein Pferdeeisenbahnmuseum mit integrierten Gasthaus (Rainbach, Kerschbaum 61, 0043-7949-6800 Kerschbaum). In
Linz hat sich der Aufsitzplatz und das Gasthaus zur Eiserne Hand (Eisenhandstraße 43, 4020 Linz, sowie der Südbahnhofmarkt in Linz Lustenau erhalten. Auch in
Wels gibt es im Ortsteil Maxlhaid ein Pferdebahnmuseum, das dem Gasthof Maxlhaid angegliedert ist. Leider liegt es für Radfahrer schwer zugänglich im Dreieck Kraftwerk Machtrenk und einen Autobahnkreuz. In
Gmunden finden sich noch der Seebahnhof, die
Villa Lanna (Pensionatstrassee 24b, 4810 Gmunden), die sich heute im Besitz der Familie Trauttenberg, der Nachfolgerfamilie von Lanna, befindet, das Hauptmauthaus, der Hafen Zizlau und mit Gmunden-
Engelhof das älteste noch in Betrieb befindliche Bahnhofsgebäude Europas.

Geht`s hier zu Bernhard?
Thomas Bernhard Neben dem Schreiben galt
Thomas Bernhards große Passion der Renovierung, Einrichtung und Inszenierung seiner drei
Höfe im oberösterreichischen Salzkammergut. Diese dienten ihm als Rückzugsorte, Arbeitsstätten und Spiegel seines Charakter wider. Das bekannteste Anwesen ist der Vierkanthof in
Obernathal bei Ohlsdorf, den er 1964 erwarb. Bernhard restaurierte den jahrhundertealten Hof über 10 Jahre hinweg und verband dabei traditionelle bäuerliche Elemente mit modernstem Komfort, um seine Vision eines zum „Denk- und Schreibkerker“ geeigneten Landsitzes zu verwirklichen. So entstanden neue Räume, die zum Großteil nie benutzt wurden und allein der Gestaltungsfreude ihres Bauherrn dienten. Seine frühen Prosaarbeiten sind eng mit diesem Haus und seinen besonderen Herausforderungen an Bernhard als Hauseigner, Architekten und alleinigen Bewohner verbunden: Die Sanierungs- und Ausbauarbeiten sowie die Traunviertler Landschaft und ihre Menschen fanden Eingang in sein Schreiben. Heute ist das „Bernhard Haus“ ein Museum, das besichtigt werden kann.
Seinen Immobilienbesitz erweiterte Bernhard im Laufe der Jahre noch um zwei weitere Anwesen die „Krucka“ auf dem Grasberg (Gemeinde Altmünster bei Gmunden) und das „Quirchtenhaus“, nach einem Vorbesitzer auch „Haunspäun“ („Hanspaul“) genannt, in Niederpuchheim (Gemeinde Ottnang, nahe Wolfsegg). Von dieses Häusern legen seine Nachbarn und Freunde, Erika und Wieland Schmied, in ihrem Bildband
Thomas Bernhards Häuser ein beredtres Zeugnis ab.
zu
Adalbert Stifter
Arno Geigers Buch „Unter der Drachenwand“ sollte als Leitfaden dienen, literarische Orte dieser vermeintlich historisch genauen Geschichte anhand der noch vorhandenen realen Orte zu überprüfen.
Passau- Haidmühle 64 km
Passasu – Lackenhäuser 48 km (812 HM auf, 476 ab), Lackenhäuser Haidmühle 15 km (230 auf, 142 ab)
ab Neureichenau über Adalbert Stifter Radweg nach Haidmühle
Grubweg – Salzweg – Büchlberg – Bernreuth – Waldkirchen – Jadesbrunn –Gesenget – Langbruck – Klafferstraß –Lackenhäuser – Neureichenau – Frauenberg - Haidmühle
oder
Thyrnau- Hauzenberg- Sonnen- Klafferstraß- Lackenhäuser
Übernachten Pension Anny
Soweit die Planung.
Die Tage vor der Reise war ich ganz weit weg von meiner körperlichen und seelischen Mitte. Deshalb bin ich extrem unruhig in diese Reise gegangen. Vorsichtshalber habe ich mir schon Tage zuvor die Bahnkarten und die fürs Rad gekauft. Die einzelnen Tagestouren sollten eigentlich problemlos zu bewältigen sein, aber das ist die Einschätzung von google und die nach dem Kartenstudium.
Die Anreise mit dem RE3 Isar-Donau Express war ziemlich easy und ist am Sonntag erfolgt, um auf einem unangenehmen Abschnitt dem Schwerlastverkehr zu entgehen. Das hat soweit gut geklappt. Auch vom Bahnhof zum Donauradweg kommt man leicht und den Abzweig nach Thyrnau habe ich gleich gefunden

Donaunixe
Von nun an bis nach Sonnen geht es immer stramm bergauf. Kommt einmal ein Stück Radweg, muss man die Strasse queren und meist nach wenigen hundert Metern wieder zurück, weil der Weg dann endet. Ausgesucht habe ich ja eine Staatsstraße mit einer hohen Nummer, weil ich geglaubt habe, dort ist wenig Verkehr. Denkste. Auto an Auto dübeln da, oft getunt und mit hoher Geschwindigkeit, an einem vorbei. Lange war ich auch der einzige Radfahrer. Gibt wohl bessere Strecken. In Sonnen dann den Abzweig nach Neureichenau. Und jetzt geht es erstmal stramm den Berg runter. Ziemliche Eierei mit den Gepäcktaschen und dem starken Seitenwind. Lieber runterbremsen , um nicht von einer Böe erwischt zu werden. Und kurvenschneidende Motorradfahrer geben dem Ganzen auch nicht mehr Sicherheit. Aber bald ist dann auch Lackenhäuser ausgeschildert. Wo es runter geht, geht es auf der anderen Seite wieder hoch. Blöd nur, dass das eigentlich kein Ort mit Ortskern, sondern eine Ansammlung von weitverstreuten Einzelhäusern ist. Aber Museum und Rosendorfer Gut sind gut beschildert. Und wieder bergauf. Hinter der Dreisesselbahn und dem Campingplatz liegt es dann.

auch von hinten schön
Nicht so idyllisch wie erwartet, aber dennoch schön. Ein Teil Altenheim, der andere Museum in historischen Räumen. Unattraktiv und Neues erfährt man auch nicht. Überraschend gut, war dann das Gasthaus nebenan und zur Essensbegleitung hatte ich noch den Beginn der Theaterwanderung in historischen Kostümen. Zumindest die Männer sahen auch in natura so aus, wie die von ihnen dargestellten Personen.
Was passiert, wenn man Einheimische um Rat fragt, in diesen Fall das Wirtspersonal? Ja, auf der Dreisesselstraße geht es noch weiter bergauf, ich solle doch besser nach Neureichenau zurückfahren. Habe ich dann auch gemacht. Schöne lange Abfahrt ohne Verkehr. In Neureichenau geht es dafür sehr stramm den Berg hoch bis zum Stifter Radweg. Umso frustrierender, wenn einem 10 jährige auf dem E-Bike dort locker überholen. Den Stifter Weg bin ich schon einmal gefahren

Auf und ab
Auf der alten Bahntrasse hat man immer eine konstante Steigung. In Frauenberg habe ich mir dann mal angesehen, wo die Dreisesselstraße rauskommt. Auf der angebrachten Karte ist kein Standort markiert und fragen kann man da auch niemanden. Zurück auf den Radweg den gleichen Fehler gemacht wie beim letzten Mal. Statt einfach geradeaus weiterzufahren, bin ich dem Hinweisschild Haidmühle gefolgt. Frisch gekiester Waldweg, mein absoluter Lieblingsuntergrund. Und dann am Ende wieder einmal kein Schild. Die Gegend kam mit bekannt vor und so bin ich halt in der Gegenrichtung zu Neureichenau weitergefahren. Zur Belohnung gab es ein Bier und eine frisch geräucherte Forelle.
Den Zeit und Wegrahmen habe ich so in etwas eingehalten: 4.30 Std, 68 km und wenn die Berechnung richtig war über 1000 Hm aufwärts.

Waldbahn
Haidmühle - Budweis- 84 km :
Nove Udoli - Stozec - Nova Pec - Lipno Stausee –- Horni Plan (Oberplan) –Hodnov - Kajov - beschilderte Radwege (Krumau - Zlata Koruna - Borsov – Budweis
Übernachten: Grandhotel Zvon
Ziemlich frisch am morgen. Über die tschechische Grenze und rein in die Sumava, dem Gegenstück zu Nationalpark Bayerischer Wald. Was ich später noch vermissen werde: viele kleine Kioske, an denen man etwas zu essen und trinken bekommt und die meist saubere Toiletten haben. Jetzt geht es sanft bergab und immer ist die Tournummer und das Ziel auf den Schildern. Hilft enorm bei der Orientierung. Schön und einsam, der Wald rauscht, die Vögel singen und ab und an pfeift der Triebwagen auf der frisch hergerichteten Bahnstrecke, von Luchs, Wolf, Bär und Elch keine Spur. Von der Quelle der kalten Moldau bis zum Lipno Stausee geht es weiter durch fast kanadischen Landschaften, ab Noca Pec dann auch mit Wassersport. Vorbei an riesigen Weiden mit daraufgrasenden Rinderherden führt der Radweg nach Oberplan. Ausgeschildert ist weiterhin Vissy Brod, doch ein Blick auf die Karte zeigt, dass der Weg dem Wasser entlang keine wirkliche Option ist und zum Baden war es eh zu kalt.

kalte Moldau
Oberplan mit dem Stifter Geburtshaus ist ein lausiges Kaff, das von der Fährverbindung und den vielen Übernachtungsmöglichkeiten lebt, einschließlich großen Supermarkt. Und mal wieder den Berg hoch nach Hodnov. Welche Strecke und einfacher oder landschaftlicher schöner ist, die auf dieser Straße oder die über den Olsina See, kann ich nicht beantworten. Die erste geht wohl oben auf den Hügelanhöhen und die gefahrene bergauf- und ab. Sie vereinen sich in Polna. Hat man es vorher schon immer krachen gehört, wird nun klar warum. Das Gebiet nördlich der Straße ist militärische Sperrzone.

Kloster bei Kirov
Ab jetzt geht es auf sehr breiter Straße lange und stramm bergab bis Kajov und damit enden die Radwege 1254/1255. Von Kajov aus wollte ich eigentlich Cesky Krumlov umgehen, hat aber nicht geklappt. So bin ich auf dem 1047 bis Cesky Krumlov und auf Nebenwegen direkt an der Burg herausgekommen. Den schönen, wenn auch dementsprechend sehr touristischen Ort kannte ich ja schon und habe mir den Weg nach Budweis naiverweise etwas näher vorgestellt. Und ein genaue Karte hatte ich auch nicht. Kann fatal enden. In Krumlov links Richtung Bahnhof. Mal wieder ein langer steiler Anstieg, ob mir der über Vysny erspart geblieben wäre? In der Karte ist die Wegnummer 12 verzeichnet. Tatsächlich führt einen aber dieser Weg als Nr. 7 direkt ins Zentrum von Budweis. Auf Höhe Vysny geht es weiter bergauf, doch dann gabelt sich der Weg und der 7er führt eine Weile am Plateau entlang bis Zlata Koruna mit dem schönen Kloster. Bis hierher mal wieder bergab, um dann wieder auf der Gegenseite der Moldau bergauf auf die Hochebene zu führen. Das ist übrigens eine der wenigen Stellen, an den man die Moldau überhaupt sieht.

Zlata Koruna
Zwischendurch gab es dann noch ein Problem mit der Wegführung. Der weitere Weg war wegen Bauarbeiten gesperrt und eine Ersatzausschilderung gab es nicht oder ich habe sie nicht gesehen und wenn, dann konnte ich sie nicht lesen, resp. hatte keine entsprechende Karte dabei. Also durch die Baustelle durch, um auf dem ursprünglichen Weg zu bleiben. War dann kein so großes Problem.
Wieder ist man auf dem Plateau über der Moldau und bleibt es auch. Und das Auge fährt weiterhin mit. Über Borsov geht es dann nach Budweis, den Rest der Strecke an der Moldau entlang bis zum Zentrum der schönen und herausgeputzten Stadt. Überall Bier und Kaffees. Laut Berechnung sollten es 84 km sein, es waren dann doch 93 km und 5.30 Stunden Fahrzeit. Ins Grandhotel mit einer wenig freundlichen Rezeptionistin direkt am Ringplatz, der ein quadratischer ist, geduscht und sich auf die Spuren der vertriebenen Verwandtschaft gemacht. Vorsichtshalber bin ich noch zum Bahnhof gegangen, weil ich mir die Karte für den nächsten Tag kaufen wollte. War ein kleineres Problem, da ich mit der EC fahren wollte und dafür eine internationale Radreservierung benötige. Die Dame am Schalter war sehr nett und sprach deutsch. Was will man mehr. Und es hat mich ungemein beruhigt, dass das ohne großen Stress abging.

Lenna Denkmal
Eigentlich wollte ich ja neben denen der Verwandtschaft auch die Stätten der Pferdeeisenbahn in Budweis aufsuchen. Die Wirtschaft zum grünen Baum gibt es immer noch, ebenso das Lenna Denkmal. Die nach ihm benannte und zum Bahnhof führende Straße ist wenig reizvoll. Bahnhofsgegend mit entsprechenden Geschäften und Klientel. Das Eisenbahnbahnmuseum wollte ich mir für den nächsten morgen aufheben. Für heute bin ich einfach zu viel gefahren und gelaufen
Freistadt – Linz (42 km, 2.44h, 486 hm auf) – Bad Winsbach (48 km, 2.40 H, 167 HM auf:
A: Freistadt - - Kronast – Schwandtendorf – Zillingdorf - _ Sallersdorf – Spattendorf - Gallneukirchen
B: Freistadt – Kronast- Oberzeiss – Lamm - Triadendorf – Alberndorf Klammleiten - Riedegg – Gallneukirchen – Innerteffling – Außerteffling – Donauradweg – Linz
Bad Winsbach – Gmunden (24 km, 1.20 h) – Salzburg (85 km)
Was auf der Karte so einfach aussah, wurde dann doch noch ziemlich stressig. Den Ringplatz falsch abgefahren und am Stadtplan entsprechend die durchfahrenen Strassen nicht gefunden. Am Schluss war ich völlig verwirrt und die Erklärungen der befragten Budweiser machten mich nicht schlauer. 5 Minuten vor Abfahrt war ich dann am Gleis. Mit Hilfe der Schaffnerin habe ich dann auch gleich das Radabteil gefunden. Gut, dass ich die Zugkarte schon gestern gekauft hatte.
Mit den bequemen EC bis Freistadt, um mich dort auf die Spuren der Pferdeeisenbahn zu machen und mir den Gegenanstieg zum Mühlviertel zu ersparen. Raus aus dem Bahnhof, das Schild Lest gesehen, mich gefreut und erstmal dem Trölsberg hoch, dabei immer der Radwegauszeichnung gefolgt. Oben angekommen, gemerkt, dass der Weg zurück nach Freistadt führt, von Lest/Kronast keine Spur. Wieder zurück und fast am Einstieg dann das Schild Wanderweg Pferdeeisenbahn. Durch Wald und Wiese auf z.T. wirklichen, schmalen Steig, bin ich dann doch in Lest angekommen. Von der Pferdeeisenbahn nichts zu sehen, ebenso wenig vom „biblischen Garten“. Jetzt hätte ich mir die Wanderkarte wohl besser genauer angeschaut. Mit strammen Anstiegen und Abfahrten kam ich über Kronast, Oberzeiss nach Lamm, von wo aus es über Schallersdorf und Traidendorf nach Alberdorf ging. Da waren dann auch schon fast 2 Stunden rum. Die Rast war eigentlich in Gallneukirchen geplant, aber die Bäckerei in Alberndorf war dann doch zu verführerisch, zumal mit Toilette. Auf der Bundesstraße abwärts nach Gallneukirchen, wo die Hügel dann weniger hoch werden, aber ohne Anstiege geht es nicht. Ab Innertreffling bekommt man den Autobahnzubringerverkehr, wenn auch nur neben der Radspur. Ab Dornach führt der Weg dann zur Donau und dessen Radweg nach Linz. Vor der Durchquerung der Stadt bis zum Traunradweg hatte ich einigermaßen Schiss. Auf der Karte sah das alles ganz leicht aus, wenn man die Wiener Straße erwischt. 2 freundliche Polizisten und später 2 junge Männer haben mir dann entscheidend weitergeholfen.
Traunradweg R4 heisst neben der eingefassten Traun immer gerade aus fahren. Nebenan das Rauschen der Autobahn, ab und an ein Blick auf die eingefasste Traun. Zumeist unter deren Hochufer. Nicht so wie in Tschechien mal ein Kiosk oder eine Wirtschaft. Vom Fluß und der Landschaft sieht man rein gar nichts. Für Rennradler mag das praktisch sein, für „Genußradler“ stink langweilig. Zuerst bis Richtung Wels. Da kann man sich für die Version Nord oder Süd entscheiden. Ich habe Süd genommen und den kleinen verwachsenen Hinweis nach dem Stauwehr übersehen. Also bis zur Hauptstraße, an der es dann kein Schild gab. Ein Mann ohne Zähne hat mir dann den richtigen Weg erklärt. In Wels dann das Schockmoment. Ich habe mir die Tour mit 105 km ausgerechnet und jetzt gab es das Hinweisschild, bis Gmunden seinen es noch 48 km, als insgesamt 135 km. Das Touri-Programm habe ich mir schon in Linz gespart, an der Traun kann man eh nichts machen. Endlich in Lambach angekommen. Von dort sind es noch 25 km bis Gmunden. Denkste. Hier gabelt sich nämlich der Weg und gerade aus am Fluß ist es nicht mehr die Traun, sondern die Ager und der Weg heisst nun R6. Hat eine ganze Zeit gedauert bis ich das realisiert habe und die Menschen die ich gefragt habe, waren nur bedingt hilfreich. In Schwanenstadt dann der Hinweis nach Rüstorf auf die Bundesstraße nach Gmunden zu fahren. Bundesstraße heisst eng, viel Verkehr und viele Laster. Kein Vergnügen. Und zu nieseln fing es dann auch noch an. Wenigstens war dieser Streckenabschnitt meist eben. Ab und an habe ich dann das Hinweisschild R4 gesehen, doch das Risiko wollte ich nicht mehr eingehen, zumal in Viecht an der Brücke der Weg eh wegen Bauarbeiten gesperrt war. Vor Gmunden dann die Entscheidung West oder Ost. Bei Ost stand im Kreisverkehr etwas von Zentrum. Auf dem Weg dorthin wieder das Hinweisschild R4 Zentrum 0,9 km, also nichts wie hin. Über die Hängebrücke ans andere Traunufer von wo aus es dann doch wieder 1,9 km sind. Wieder nach nachgefragt, ob das denn auch stimmt. Ja, der Weg kommt direkt an der Esplande und dem Hotel Schwan heraus.

Helmut Kohl Stile
30 km mehr als geplant, gefühlte 1000 Hm rauf, 7 Std im Sattel, nicht die geplante Tourismustour. Bernhard in Ohlsdorf ist ausgefallen und an der „nostalgischen Pferdeeisenbahnstrecke“ zwischen Laakirchen und Oberweis bin ich vorbeigefahren. Das Zimmer war eine Suite im Helmut Kohl Stil mit Blick auf den See und das Rathaus. Der Supermarkt hatte noch auf für ein Abendbier und der Rinderbraten war so, wie er sein sollte.
Das Frühstück war ein echtes Kaiserfrühstück. Ein so gutes Hotelfrühstück hatte ich sehr lange nicht mehr. Letzter Tag. Und eigentlich sollte der im Zeichen von Arno Geiger stehen. Nach der gestrigen Tour war ich aber ziemlich platt. Der Weg führt vom Traunsee fast bis Bad Ischl nach Mitterweißbach und von dort über Attersee zum Traunsee. Wie all die Tage ist der Wind am Morgen noch relativ ruhig. Am Traunsee entlang zu fahren ist langweilig. Direkt daneben der Hauptstrasse. Trotzdem ein paar schöne Ausblicke auf den See und seine imposante Umgebung. Aber zäh ist das heute.

Löwe und Musklen brüllen zum Abschied vom mTraunsee
In Ebensee verzweigt sich dann der Salzkammergutradweg R2 von der Hauptstraße. Lange hat man daran aber keine Freude. Zum einen ist der Weg gesperrt und die angebliche Umleitung erweist sich als das einzige dementsprechende Schild. Zurück auf die Nebenstraße jenseits der Traun flußaufwärts. Bei Langwies geht es dann wieder an der Hauptstraße entlang. Schon früh am Morgen kommen mir 3 Tourengruppen unterschiedlichen Alters mit 20-30 Menschen entgegen. Manche sogar im gleichen Dress. Und der Wind frischt mal wieder auf. Als ich schon gedacht hatte den Abzweiger zum Attersee übersehen zu haben, kam er dann doch. Bis zur Kapelle geht es bergauf, begleitet von einigen Rennradlern und mäßigen KFZ-Verkehr – seltsamerweise meist deutsche Kennzeichen mit Fahrrädern. Ab der Kapelle geht es in flotten Tempo nach Weißenbach am Attersee. Ab hier muss man sich zumeist wieder die Straße mit den Autos teilen. Baden im Attersee habe ich mir dann geschenkt. Am Südufer gehen nur Taucher in Neopren und Flaschen ins Wasser. Nach einem halben Meter Ufer geht es schwarz in die Tiefe. Nach einem kurzen steilen Anstieg geht es links zum Mondsee, der sich als einiger der wenigen Seen in Österreich in Privatbesitz befindet. Ebenso wie die ganze Gegend früher das (Salz-)Kammergut und somit persönlicher Besitz der österreichischen Kaiser war. Salz war bis in die frühe Neuzeit weißes Gold, dessentwegen auch gerne Kriege zwischen Bayern und Österreich geführt wurden. Gleich nach den Radfahrertunnels sieht man schon die berühmte, bedrohlich wirkende Drachenwand

Drachenwand
Bis dahin gibt es einige Bademöglichkeiten, deren Uferrand zwar weiter ins Wasser läuft, aber dann auch ziemlich schnell abbricht. Mag ich nicht so und deshalb wieder kein Bad. St Lorenz erweist sich als ein ähnliches Flächendorf wie die Lackenhäuser und macht keine Lust es nach Geiger Spuren zu erkunden. Das im Buch beschriebene Gasthaus gibt es aber noch. Nach einiger Zeit auf der Hauptstraße sehe ich links in den Wiesen Radler. Also muss irgendwo in St. Lorenz der R2 abgegangen sein und ich habe es wieder nicht mitbekommen. Dann die nächste Überraschung. Wieder 10 km mehr nach Salzburg als errechnet. Und der Weg führt immer bergan und der Gegenwind lässt bei mir keine Zeiten über 15 km/h zu. Das geht so bis Thalgau. Nach der Unterführung in Richtung Eugendorf kommt noch einmal ein langer bissiger Anstieg, bei dem ich dann erstmals absteigen wollte. Ging dann aber doch. Ab da nahezu immer bergab nach Eugendorf und hinein in sein riesiges Industriegebiet. Hier wird es mit den Hinweisen etwas unübersichtlich, aber das Verkehrsschild zeigt 5 km nach Salzburg statt 12 km auf den Radwegtafeln. Vor allem es geht bergab, und das nicht zu knapp. Jetzt kommen einem auch viele Radfahrer entgegen. Nach den Erfahrungen bisher erwartet man eigentlich den Gegenhang. Kommt aber bis Salzburg nicht. Und der richtige Zug wartet auch schon am Gleis.
95 km, 5 Stunden, die langen Abfahrten haben dann doch noch den Stundenschnitt aufpoliert und für einigermaßen körperliche Entlastung gesorgt.
Fazit: Außer in Tschechien würde ich die Strecke, vor allem in Österreich nicht mehr machen. Wieder einmal haben sich Radwege an Seen und Flüssen für mich als langweilig erwiesen.